MPU Augsburg

Gemeinnütziger Verein zur Selbsthilfe bei Suchtproblemen

Alkohol & Drogen: (k)ein Thema?

Alkohol & Drogen: (k)ein Thema?

Alkohol & Drogen: (k) ein Thema?

Was wollen wir mit diesem Satz ausdrücken?

Immer wieder konnten wir in unserer Arbeit als Suchtkrankenhelfer und Referenten für Schüler-Prävention eines feststellen: Dass die Jugendlichen zwar bei illegalen, sog. "harten" Drogen durchaus ein Bewusstsein dafür haben, was sie konsumieren, nur in Punkto Alkohol wird mit dem Konsum immer noch das "trinken eines Getränkes" gleichgesetzt.
In unserem neuen Leitsatz kommen Drogen und Alkohol endlich zusammen.
Wir sollten aufhören, diese beiden Worte und ihre Bedeutung voneinander zu trennen.
Nicht umsonst ist Alkohol "legal"!
Eben weil es eine Droge ist.
Auf Apfelsaft steht ja auch nichts von legal auf dem Etikett. Das ist ja auch wirklich nur ein Getränk.

Immer wieder machen wir nun klar, das es nicht um das Bier, den Wein, Schnaps oder was auch immer geht, sondern um die chemische Substanz Alkohol im Bier, Wein, etc.!!

Umso erschreckender: Auch in den Selbsthilfe-Gruppenstunden ist bei vielen noch eine sehr unterschiedliche Auffassung bezüglich Drogen und Alkohol vorherrschend: "Ich habe wenigstens noch nie Drogen genommen!" heißt es immer wieder. - Ja, was denn sonst??
Noch nie hat sich jemand als Bier-abhängig oder Weinsüchtig bezeichnet.
Merke: Wir sind Alkohol-abhängig!
Also sind Alkohol und Drogen eins. Nur ist "unsere" Droge eben legal. Und bestimmt nicht wegen der Steuer. Auf Heroin und Koks Steuern erheben würde die Staatskasse mit Sicherheit auch klingeln lassen...

"Wer kennt welche Drogen und welche Wirkung haben diese?" Auf diese Frage kommt von den Schülern in der Regel eine lange Aufzählung von Substanzen, die selbst ich nur vom Hörensagen kenne. Ebenso können viele Schüler detaillierte Schilderungen über die Folgen von Drogenkonsum geben. Hier macht sich die Aufklärungsarbeit z.B. von der Drogenhilfe Schwaben-e.V. (zuständig für illegale Drogen) in Schulen deutlich bemerkbar. Aber nur selten wird auch Alkohol in den selben Topf geworfen.
Obwohl die Folgen im Prinzip die gleichen sind.

Auf einer Schultafel kann man die Problematik mit dem scheinbaren Unterschied zwischen "harten" Drogen und Alkohol ganz einfach darstellen:
Einfach eine Liste machen, welche Wirkungen illegale Drogen haben. - die kennen viele.
Und was ist jetzt mit Alkohol? Welche Punkte müssten weggestrichen werden, wenn es um unser "Grundnahrungsmittel Nummer Eins" geht?
- Nichts.
Im Prinzip gibt es keinen Unterschied. Lediglich ein paar Worte werden ausgetauscht (z.B. "Blackout" gegen "Filmriss").

 

Alkoholische Getränke trinken ist Drogenkonsum.Das ist ja auch nicht weiter schlimm.
Schließlich ist es gesellschaftlich anerkannt und legal.Lediglich diese klare und Wahrheitsgemäße Sichtweise ist uns wichtig. Wer weiß, was er tut, weis auch, was er nicht tun will.
Oder haben Sie bisher gewusst, dass die Folgen von Alkoholkonsum durchaus mit Heroin verglichen werden können?
Selbstverständlich gibt es große Unterschiede, z.B. was die Rauschwirkung angeht. Die Wahrnehmung eines "Kick`s" durch Heroin ist natürlich eine völlig andere als der Rausch durch Alkohol. Ein LSD-Trip fühlt sich anders an als bekifft zu sein. Die direkten Körperlichen Schäden sind auch klar Unterscheidbar, so bekommen viele Heroinsüchtige Hepatitis, Der Alkoholkranke hat oft mit seiner Leber zu kämpfen.
Gibt es also ein "besser" oder "schlechter"?
In meinen Augen nicht. Ein leidender Mensch fragt nicht mehr danach, ob es einem anderen vielleicht noch schlechter ergeht.

Das gesamte Drogenproblem könnte sich in unserer Gesellschaft positiv verändern, wenn denn nur jedem tatsächlich bewusst wäre, dass er beim "ach so normalen Trinken" von Alkoholika nichts anderes als ein Rauschmittel mit Geschmack zu sich nimmt.
Oder wie fänden Sie es, wenn Ihr Arbeitskollege sich neuerdings ganz offen mit einem "wohlverdienten" dicken Joint zur Mittagspause erholt?
Das ist abwegig?
- keineswegs.

 

 

 

 

 

 

Die Wirkung eines Bieres ist durchaus vergleichbar mit der berauschenden Wirkung der Cannabis-Pflanze. Jedenfalls anfänglich. Der Alkohol schlägt bei den meisten Menschen dann nämlich auch noch ganz andere Töne an.
Übermut, Aggressionen, lallen, torkeln usw. - das kennen wir ja alles.
Wenn das mal nicht typische Drogenauswirkungen sind.
Obwohl; "Typisch" sind diese Auswirkungen nicht. Die meisten "harten" Drogen bewirken keine solch auffälligen Symptome. Sie laufen sozusagen mehr im "Inneren" ab. Ein Junkie auf Trip ist gar nicht in der Lage, sich zu prügeln. Ein Kiffer hat keine Lust dazu und die meisten Pillen sind Stimmungsaufhellend. (Mal von den Gefahren der Abhängigkeit, extremer Übelkeit, Psychosen, Illegalität etc. abgesehen...)
Stellen Sie sich vor: Ein Oktoberfest in München mit lauter Kiffern. - Unvorstellbar?
Aber Tausende besoffene, torkelnde, lallende und kotzende Trunkenbolde sind ja sooo lustig!?
Im Radio gaben einige Oktoberfestbesucher kund, wie toll es war. O-Ton: "Es war super, aber ich weiß gar nichts mehr!" Also ein Blackout, wie er nur durch massiven Drogenkonsum verursacht werden kann. Eben vom Biertrinken.
Und was dann so toll gewesen sein soll, wenn man sich gar nicht mehr erinnern kann, ist mir schleierhaft. Werden wir uns also bewusst, auf was wir in der Abstinenz verzichten.
Ich denke, auf Drogen kann ich ganz gut verzichten. Mein Leben ist mehr wert.
Auch wenn sich der Gedanke an einen Rausch hin und wieder bemerkbar macht, kann ich gerne auf die Folgen verzichten - und somit auch auf das erste Glas.
 

Auszug:
ICD 10
Kurzform

  • Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Alkoholkonsums
  • Alkoholkonsum mit dem Ziel, Entzugssymptome zu mildern und der entsprechenden positiven Erfahrung
  • Ein körperliches Entzugssyndrom
  • Nachweis einer Toleranzentwicklung. Um die ursprünglich durch niedrige Dosen hervorgerufene Wirkung zu erreichen, sind zunehmend höhere Dosen (Mengen) erforderlich, die bei Konsumenten ohne Toleranzsteigerung zu schweren Beeinträchtugen oder gar zum Tode führen können.
  • Ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit Alkoho, wie z.B. die Tendenz, Alkohol an Werktagen wie an Wochenenden zu trinken und die Regelnd eines gesellschaftlich üblichen  Trinkverhaltens ausser acht zu lassen.
  • Forschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen udn Interessen.
  • Anhaltender Alkoholkosum trotz Nachweis eindeutiger schädlicher Folgen.