MPU Augsburg

Gemeinnütziger Verein zur Selbsthilfe bei Suchtproblemen

Auf den Punkt gebracht...

Auf den Punkt gebracht...

  • Auf den Punkt gebracht . . .
    Wann habe ich ein Problem?
    Wann bin ich krank/süchtig/abhängig?    
Eine Formel zu finden, die schwierige Zusammenhänge einfach und verständlich beschreibt, ist Aufgabe von Fachleuten.

Selbst-Betroffene Suchtkranke sind auch Fachleute.
In seinem ganz eigenen Themenbereich hat ein Suchtkranker mehr Erfahrung als jeder andere.
In den letzten Jahren, in denen Manuela und ich Sucht-Prävention an Schulen durchgeführt und mittlerweile weit über 3000 Junge Menschen erreicht haben, kristallisierte sich mit der Zeit heraus, wie wir uns ausdrücken müssen, damit unsere Botschaft auch verstanden werden kann.

Immer wieder werden wir von Neugierigen, (teils von ihrem eigenem Trinkverhalten beunruhigten) Schülern gefragt; „Ja, ab wann bin ich denn Alkoholiker? – Wenn ich ein Glas Bier am Tag trinke? Oder regelmäßig jedes Wochenende? – und manchmal trinke ich wochenlang gar nichts!“

Diese Frage wird auch von bereits Betroffenen in unseren Selbsthilfegruppen gestellt. Nicht, das es da noch etwas zu verhindern gäbe, aber rückwirkend wäre es schon interessant, welches Trinkverhalten (Konsum jeder Art von Drogen) die Grenze zur Sucht und anschließender Abhängigkeit darstellt.

Nur kann darauf pauschal keine Antwort gegeben werden. Es gibt Millionen Süchtige. Und Millionen Abhängige. Und jeder einzelne Mensch hat sein ganz eigenes Muster, seine eigenenTrink-Motive und Verhaltensweisen. So viele Alkoholiker es gibt, so viele verschiedene Krankheitsbilder und Entstehungsgeschichten gibt es. Der eine Trinkt von Jugend an in Übermaß (ich), ein anderer fängt gar erst mit mitte 30 an, und nicht wenige haben tatsächlich nur in seltenen Gelegenheiten Promillezahlen von über 2.0 erreicht. Sind aber genauso in der Sucht und Abhängigkeitsfalle gefangen, wie der abgestürzte Voll-Profi.

Welche Formel gibt es also, die für jeden Menschen leicht anwendbar und gültig ist?
Eine ganz einfache. Sie steht sogar in Fachbüchern. Nur leider oft so, das es der Leser nicht als einfache Formel versteht.
Vorweg: Es gibt zwei recht unterschiedliche Gruppen, die mit der Formel etwas anfangen können: Einmal zur Prävention, (der Verhinderung von Sucht/Abhängigkeit durch Aufklärung und zukünftigem „Aufpassen“), - und bereits Betroffenen, die sich dadurch aber klar werden können, wo in der Vergangenheit die Grenze überschritten wurde, und vor allem; wie sie sich mit Hilfe der Formel vor Rückfällen schützen können, und überhaupt Ihre Selbstbestimmtheit im Leben aufrechterhalten können. Und die Formel gilt nur für jeden selbst.
Niemals für einen anderen!  
1. Frage dich: „Wann habe ich ein Problem?“

Darauf scheint es viele Antworten zu geben, so individuell die Menschen sind, so viele Antworten. Aber wir suchen eine Formel, die für jeden einzelnen gilt. Und nicht nur den Konsum von Drogen betreffend, sondern tatsächlich für alle Lebensbereiche, Verhaltensweisen etc. Wichtig: Wann habe ICH ein Problem“. Niemals für einen anderen, sondern nur für jeden selbst soll diese Frage gestellt werden. Interpretieren wir nicht wild bei unserem Nachbarn herum, sondern beschäftigen uns nur mit unserer eigenen Person. Und „Problem“, das kann vieles sein. Also einfach einmal ehrlich bei sich selbst schauen, was so alles im argen liegt.

Die Antwort: „wenn es mich selber stört“!
Punkt.
Mehr braucht es nicht.
„es“ bedeutet alles, was in meinem Leben nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Von der Beziehung, Arbeit, Verhaltensweisen, Trinkmenge . . .

Wenn es mich selber stört, habe ich ein Problem. Das muss nicht gleich dramatisch sein, aber jetzt habe ich einen Marker, an dem ich erkennen kann, wo ich stehe. Egal welches Trinkverhalten ich habe, in dem Moment, wo es mich selbst stört, dass ich so trinke, habe ich ein Problem. Soll doch der Nachbar saufen, was das Zeug hält, solange es ihn selbst nicht stört, hat er damit auch kein Problem. Und niemand könnte ihn vom Gegenteil überzeugen.

2. Frage dich: „wann bin krank, süchtig, abhängig“?

Beim täglichen kleinen Bierchen? Wenn auch mein vierter Ehemann ein Schläger ist, obwohl ich mir vorgenommen habe, „beim Nächsten passiert mir das nicht mehr“? Wenn ich immer wieder wie ferngesteuert dieselben Fehler mache, obwohl ich es doch eigentlich besser wüsste?
Die Antwort: „Wenn ich versuche, etwas zu verändern (dauerhaft), und schaffe es nicht.
Auch das gilt für alles und jeden.

„etwas“ bezieht sich auf das obige „es“. Kann also für mein Leben individuell eingesetzt werden. Verhaltensweisen, „lieb gewordene“, aber Probleme erzeugende Angewohnheiten, fest vorgenommene Ziele trotzdem nicht erreicht, weil wieder eine Situation dazwischen kam, der ich nicht widerstehen konnte („Heute nur zwei Bierchen, ganz sicher!“, aber mit `nem Fetzenrausch nach Hause…)

Wenn mich etwas selber stört, kann ich erkennen, ein Problem zu haben. Abstellen kann ich das Problem durch Veränderung. Das mag beim ersten, zweiten Mal auch gut und einfach klappen, entscheidend ist es aber, die Veränderung dauerhaft beizubehalten. Wenn das klappt, ist alles in Ordnung. Das Problem wird so nicht wieder auftauchen.
Im Bezug auf das Trinken kann durchaus eine Zeit lang ohne Alkohol gelebt werden, z.B. im Urlaub, währende der Woche, oder sogar über mehrere Monate hinweg. Sollte sich dann aber wieder das alte Muster einschleichen, und ein erneuter Versuch wiederum nur eine gewisse Weile anhält, dann wird es Zeit, sich an einen Fachmann zu wenden.
Und das ist alles andere als eine Schande oder ein Eingeständnis von Schwäche.