MPU Augsburg

Gemeinnütziger Verein zur Selbsthilfe bei Suchtproblemen

"Lebensumstände lassen sich ändern!"

"Lebensumstände lassen sich ändern!"

 . . . "Brücken bauen"

Was könnte eine bessere Überschrift sein, als "Brücken bauen"?

Jedenfalls, wenn es um das Thema geht, Menschen miteinander zu verbinden, Kontakt herzustellen, Hemmungen und Hindernisse gemeinsam zu meistern.

Ich weiß noch sehr gut, welche Überwindung ich brauchte, um mich im Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg zur Entgiftung anzumelden. Alleine hätte ich das niemals geschafft. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem ich bereits erkannt habe, dass ich ganz ganz dringend Hilfe brauche. Ich war mitten in einem (kalten) Entzug. Und trotzdem wäre ich ohne die aufmunternden, ernst und wohl meinenden Zusprüche von den damaligen Gruppenbesuchern nicht aus eigener Kraft ins BKH gegangen. Zu sehr hatte ich noch falsche Vorstellungen und Ansichten.

Wie geht es wohl einem Menschen, der Hilfe, Unterstützung oder einfach nur Rat braucht, aber niemanden hat, der ihm das geben könnte - oder glaubt, niemanden zu haben.

Die meiste Zeit meines Lebens habe ich geglaubt, keine Hilfe zu brauchen, alleine klar zu kommen - ich war cool.
Allerdings hat das "der da oben" wohl ganz anders gesehen. Es lief überhaupt nicht gut für mich. Erst jetzt, wo ich nicht mehr alleine und nur anscheinend selbständig in meinem Leben herumirre, formt sich ein Weg ab, der mein Weg ist.
Ich kann wieder Ich sein.
Frei sein.    

Nach nunmehr vier Jahren "trocken" kann ich sehen, wohin es geht. Das Leben steuert mich nicht mehr wie blind von einem Schlamassel in den nächsten.

Jetzt mache ich die Schlamassel selbst. Was mir manchmal aber trotzdem noch schwer fällt, ist das allereinfachste. Nämlich mit meinen Mitmenschen zu reden. Über mich zu reden. Das ist oft gar nicht leicht.
Oft würde ich reden wollen. Aber hat der andere überhaupt Zeit, will er mir zuhören? Interessiert ihn, was ich sagen will? Das weiß ich ja nicht, bevor ich ihn gefragt habe. Aber dazu müsste ich zuerst mit ihm reden. Und genau das fällt mir schwer.
Ein Kreislauf?
Nicht unbedingt, es gibt immer und überall "Brücken". Hilfreich ist es, in einer Gemeinschaft zu sein, in der Gespräche ganz unverfänglich anfangen und einem die Gesprächspartner entgegenkommen.

In der Kornblume habe ich eine Brücke gefunden. Vor allem weil ich weiß, dass dort alles als "Übungsfeld fürs Leben" betrachtet wird. Nicht Ich werde schief angeguckt, wenn mir etwas Unangenehmes auf der Leber liegt, sondern der Umstand wird - getrennt von mir, neutral - behandelt. Ich als Mensch bin völlig angenommen.

Lebensumstände lassen sich ändern.

Am besten mit der Erfahrung von Menschen, die ähnliche Erlebnisse erfolgreich hinter sich brachten. Ihre Erfahrung ist es, die für mich als Brücke zu meinen eigenen Zielen dienen kann.
Ich kenne jetzt viele Menschen, die ihre eigene Erfahrung im Leben gerne als Richtungsweiser weitergeben.

Und bessere Brücken gibt es kaum.

Lee-Roy